Bis meine Passagiere im Auto sind, darf ich auf der Straße den Versuch einer Schlägerei beobachten. Ein Teil meiner Stammgäste hat genügend Bettschwere und ist recht still, der andere ist sehr aufgekratzt, will zur nächsten Party und erzählt sehr amüsant. Die Rede kommt auch auf Tupperpartys, die es nicht mehr und Schuh- und Dildopartys, die es statt dessen gibt. Es werden auch Details einiger Modelle erwähnt… Ich grinse amüsiert in mich hinein, aber auf dieses Wissen könnte ich verzichten.
Später bekam ich von einem Kollegen einen Bestellung; von einem Club sollte es über ein paar Dörfer gehen.
Die Abfahrt verzögerte sich (wie bei Nachtfahrten meist üblich) leicht, bis alle Leute im Taxi waren. Besonders ein junger Mann in Plüsch hielt einen Fahrgast lange in enger Umarmung, bis er ihn endlich freigab.
Während der Fahrt stellte sich heraus, dass sich der männliche Teil meiner Fahrgäste ein wenig geprügelt hatte, sie verstanden sich prima.
Nach fünf Kilometern “Wo ist meine Brille?!” Anhalten, kleine Pause, “Darf man bei dir im Auto rauchen?” (Natürlich nicht), herumtelefonieren, ob jemand die Brille gesehen hat.
Schließlich werde ich gebeten zurück zu fahren, damit man die Brille suchen kann.
Bald sind wir am ursprünglichen Abfahrtsort. Ich schalte Fern- und Nebellicht an, um die Suche zu erleichtern. Bald ist die Brille am Platz der Tätlichkeit gefunden. Als kleine Belohnung geben sich die Herrschaften eine Zigarette.
Als wir losfahren wollen, stellt sich ein Vollsoffener vor das Auto und lässt einen Teil der konsumierten Flüssigkeiten in leicht veränderter Form durch seinen offenen Hosenstall auf die Motorhaube rinnen.
Ich werde stinksauer, nehme meine Wasserflasche und spüle die Schweinerei vom Auto. Versehentlich bekommt das besoffene Individuum auch Wasser ab, als es mich angreifen will.
Die Freundin beschwichtigt es und führt es weg.
Bei der übernächsten Bestellung gehe ich in die Kneipe, weil ich nur einen ungefähren Zeitraum für meine Ankunft angegeben hatte. In der Tür kommt mir ein Mädchen entgegengerannt, ein Junge hinterher. Drinnen fliegen Anschuldigungen und Beleidigungen. Der Barkeeper, der mir vorhin die dreizwanzig gab, fand hier keinen ruhigen Ausklang seines Abends, wir schauten uns verständnisvoll an.
Die Kneipe macht dicht, der Krawall verlegt sich auf die Straße, mein seufzender Fahrgast ist froh, endlich heim zu kommen.
Dabei braucht es noch zwei Wochen bis Vollmond…
*Nach einem Lied Hans-Eckardt Wenzels
Normalerweise habe ich nur die üblichen ein, zwei Kaputten pro Schicht. Letztens bekam ich davon aber ein gerüttelt Maß…
Es begann ganz harmlos gegen elf Uhr nachts mit einer Tour von einer Kneipe, die ab und zu mal Kundschaft für uns hat.
Der Kunde steigt ein und fragt “Festpreis zehn Euro?”
Ich antworte: “Nö, geht nach Taxameter.”.
Vom Fahrgast ein undefinierbares Brummen, ich fahre los.
Dann meint er “Sonst fahre ich für fünf Euro”. Die gewünschte Strecke kostet nachts fast das Dreifache, wenn man legal fährt.
Ich antworte wie immer in solchen Fällen: “Dann musst du dir halt jemanden bestellen, der dich für diesen Preis fährt!”
Nach einer kurzen Strecke fängt er wieder an, über den Preis zu schimpfen, kurz vorm Ortseingang der nächsten Stadt meint er “Halt an, ich ruf mir jetzt einen, der mich für fünf Euro fährt!”
Ich halte das Auto und das Taxameter an, es zeigt 8,20.
Er sagt “Von mir kriegst du nichts” und springt raus,
Ich ziehe den Schlüssel ab, knipse Warnblink an, verriegle und laufe hinterher.
“Ich krieg noch achtzwanzig von dir!”
Der Typ tut beschäftigt mit seinem Handy. Das kann ich auch, tippe 110, beschreibe die Lage, am anderen Ende wird gesagt “Kollegen kommen gleich”.
Der Typ ist entweder nachtblind oder blau und kullert bisschen über eine Böschung, rappelt sich wieder auf und läuft weiter auf dem Gehweg.
Jetzt telefoniert er mit der Kneipe, von der ich ihn holte, dann reicht er mir das Handy.
Der Barkeeper erzählt, dass der Typ eigentlich mit einem Kumpel für zehn Euro fahren wollte, der aber abgesagt hatte und deswegen ein “richtiges” Taxi gerufen wurde. Ich solle die Differenz zwischen Fahrpreis und dem, was der Typ mir geben solle, von dem Barkeeper holen.
Der Typ gibt mir fünf Euro.
Auf dem Rückweg zum Taxi sage ich beim Freund und Helfer telefonisch Bescheid, dass sich der Fall erledigt hat und bedanke mich.
Als ich ins Fahrzeug eingestiegen bin, hält ein Streifenwagen vor mir - da war ich wohl zu langsam. Ich erkläre kurz, dass die Sache “geklärt” ist und entschuldige mich für die Umstände.
Ich drehe um, sammle die dreizwanzig in der Kneipe ein und mache mich auf dem Weg zur nächsten Bestellung.
Unterwegs ruft mich der Typ an: “Ich hab jetzt deine Nummer! [Die des Taxibetriebs, großes Kunststück.] In der nächsten Zeit solltest du aufpassen, wen du fährst! Du weißt ja gar nicht, mit wem du dich angelegt hast! Ich hab viele Freunde! Ich geb deine Nummer rum, dann wirst du bestellt und wirst schon sehn…”
Ich: “Soll ich jetzt Angst haben?”
Typ: “Ja, solltest du! [undsoweiter blahfasel …]”
Ich: “Jaja” und lege auf.
Im weiteren Verlauf der Nacht ruft der Typ noch rund vierzigmal an. Meist lasse ich es klingeln, ab und zu drücke ich weg, gelegentlich gehe ich ran um zu sehen, ob er neue Erkenntnisse gewonnen hat (hat er nicht).
Gegen ein Uhr war bei ihm die Luft wohl raus.
*Nach einem Lied Hans-Eckardt Wenzels
Nach langen grauen Tagen zum ersten Mal blauer Himmel.
Die Luft ist kalt, klar, frisch.
Vor der Sparkasse ein Häufchen Menschen im Sonnenlicht.
In ihrer Mitte ein Stuhl.
Eine Person darauf, zusammengesunken, mit einer Wolldecke.
Minuten später ein Rettungswagen, ein Notarzt.