Die Nacht der Irren und Idioten (1)*

Sonntag, Mai 8, 2011 - malenki at 19:35 in Arbeit/ work

Normalerweise habe ich nur die üblichen ein, zwei Kaputten pro Schicht. Letztens bekam ich davon aber ein gerüttelt Maß…

Es begann ganz harmlos gegen elf Uhr nachts mit einer Tour von einer Kneipe, die ab und zu mal Kundschaft für uns hat.
Der Kunde steigt ein und fragt “Festpreis zehn Euro?”
Ich antworte: “Nö, geht nach Taxameter.”.
Vom Fahrgast ein undefinierbares Brummen, ich fahre los.
Dann meint er “Sonst fahre ich für fünf Euro”. Die gewünschte Strecke kostet nachts fast das Dreifache, wenn man legal fährt.
Ich antworte wie immer in solchen Fällen: “Dann musst du dir halt jemanden bestellen, der dich für diesen Preis fährt!”

Nach einer kurzen Strecke fängt er wieder an, über den Preis zu schimpfen, kurz vorm Ortseingang der nächsten Stadt meint er “Halt an, ich ruf mir jetzt einen, der mich für fünf Euro fährt!”
Ich halte das Auto und das Taxameter an, es zeigt 8,20.
Er sagt “Von mir kriegst du nichts” und springt raus,
Ich ziehe den Schlüssel ab, knipse Warnblink an, verriegle und laufe hinterher.
“Ich krieg noch achtzwanzig von dir!”
Der Typ tut beschäftigt mit seinem Handy. Das kann ich auch, tippe 110, beschreibe die Lage, am anderen Ende wird gesagt “Kollegen kommen gleich”.
Der Typ ist entweder nachtblind oder blau und kullert bisschen über eine Böschung, rappelt sich wieder auf und läuft weiter auf dem Gehweg.
Jetzt telefoniert er mit der Kneipe, von der ich ihn holte, dann reicht er mir das Handy.
Der Barkeeper erzählt, dass der Typ eigentlich mit einem Kumpel für zehn Euro fahren wollte, der aber abgesagt hatte und deswegen ein “richtiges” Taxi gerufen wurde. Ich solle die Differenz zwischen Fahrpreis und dem, was der Typ mir geben solle, von dem Barkeeper holen.
Der Typ gibt mir fünf Euro.
Auf dem Rückweg zum Taxi sage ich beim Freund und Helfer telefonisch Bescheid, dass sich der Fall erledigt hat und bedanke mich.
Als ich ins Fahrzeug eingestiegen bin, hält ein Streifenwagen vor mir - da war ich wohl zu langsam. Ich erkläre kurz, dass die Sache “geklärt” ist und entschuldige mich für die Umstände.

Ich drehe um, sammle die dreizwanzig in der Kneipe ein und mache mich auf dem Weg zur nächsten Bestellung.

Unterwegs ruft mich der Typ an: “Ich hab jetzt deine Nummer! [Die des Taxibetriebs, großes Kunststück.] In der nächsten Zeit solltest du aufpassen, wen du fährst! Du weißt ja gar nicht, mit wem du dich angelegt hast! Ich hab viele Freunde! Ich geb deine Nummer rum, dann wirst du bestellt und wirst schon sehn…”
Ich: “Soll ich jetzt Angst haben?”
Typ: “Ja, solltest du! [undsoweiter blahfasel …]”
Ich: “Jaja” und lege auf.
Im weiteren Verlauf der Nacht ruft der Typ noch rund vierzigmal an. Meist lasse ich es klingeln, ab und zu drücke ich weg, gelegentlich gehe ich ran um zu sehen, ob er neue Erkenntnisse gewonnen hat (hat er nicht).
Gegen ein Uhr war bei ihm die Luft wohl raus.

*Nach einem Lied Hans-Eckardt Wenzels

  1. futju

    Mittwoch, Juni 29, 2011 - 21:56:56

    Wie gut :D

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